Lacht die Sonne in den Kommentarspalten?
Durch den leider inzwischen eingestellten SplitterCast bin ich auf diesen Comic von Kathrin Klingner gestossen. Und manchmal weiss man ja schon beim ersten Hören: Das könnte etwas Besonderes sein. Das reduzierte gelbe Cover mit der Titelfigur hat jedenfalls sofort meine Aufmerksamkeit geweckt.
Die Comiczeichnerin und Illustratorin hält in «Über Spanien lacht die Sonne» ihren Arbeitsalltag von 2013 bis 2015 fest. Sie arbeitete in einem Medienunternehmen, das Online-Kommentare überprüfte. In dieser Zeit schien das Netz in Deutschland zeitweise nur noch ein Thema zu kennen: die Flüchtlingskrise. Was sie dort täglich las, waren nicht nur hitzige Debatten, sondern auch Rassismus, Verschwörungstheorien und Gewaltfantasien.
Meistens sind sechs gleich grosse Panels pro Seite zu sehen. Die schwarzweiss gehaltenen Zeichnungen sind reduziert. Fast alle Figuren sind Tiere, und trotzdem fühlen sie sich erstaunlich real an. Es sind Menschen, oder eben Tiere, die zur Arbeit gehen, ihren Feierabend herbeisehnen und versuchen, professionell zu bleiben. Den Kopf ihrer Protagonistin, eines Kaninchens namens Kitty, zeichnet Klingner mit nur wenigen länglichen Farbtupfern. Der Chef der Abteilung, der stets um ein gutes Arbeitsklima bemüht ist, hat einen Schnabel und bewegt sich meist auf allen Vieren durch die Szenerie.

Besonders hängen geblieben ist mir der Kontrast zwischen den teils verstörenden Kommentaren und der Abgeklärtheit der Figuren. Diese Gleichzeitigkeit von Grauen und Routine wirkt lange nach. Gerade weil Klingner nichts dramatisiert, wird es umso unheimlicher.
Irgendwo habe ich gehört, dass Kathrin Klingner mittlerweile als Zugbegleiterin bei der Deutsche Bahn arbeitet. Bei ihrem feinen Blick für absurde Alltagsbeobachtungen würde es mich jedenfalls nicht wundern, und ich würde es sehr begrüssen, wenn auch daraus irgendwann ein Comic entsteht.