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Quotes: Daniela Dröscher

In der Philosophie gab es ein schönes Beispiel, um die Freiheit des menschlichen Willens zu illustrieren. Man konnte abends im warmen Bett liegen bleiben und sich wider besseren Wissens dagegen entscheiden, noch einmal aufzustehen und die Zähne zu putzen. Die mutwillige Zerstörung oder das Unterlassen von gesundheitsförderlichen Dingen war Teil der menschlichen Freiheit.

Vielleicht ist genau das eine unbewusste Schutzstrategie meiner Mutter gewesen. Sich weniger schön zu machen, als sie war. Schönheit bedeutete schlichtweg–Lebensgefahr. Ähnlich wie sprechen. Oder schreiben. Wer spricht oder schreibt, macht auf sich aufmerksam. Wer schreibt–zeigt sich. Wer sich zeigt, wird gesehen und begehrt. Wer begehrt wird, riskiert, dass man ihn tötet.

«Wenn man in einem fremden Land spricht, schwebt die Stimme merkwürdig isoliert und nackt in der Luft. Es ist, als würde man nicht Wörter, sondern Vögel ausspucken.» Yōko Tawada: Stimme eines Vogels.

Wer krank war, störte den Lauf der Dinge. Wer krank war, arbeitete nicht, und wer nicht arbeitete, verweigerte den Takt, den unermüdlichen Rhythmus des Alltags.

«Denn ich habe Zuneigung zu Ziegen, weil ihre Pupillen nicht aus vertikalen, sondern aus horizontalen Strichen bestehen.» Yōko Tawada: Überseezungen.

George sagt übrigens, dass man allergisch auf bestimmte Dinge reagiert, weil man in seinen vorherigen Leben selbst eines dieser Dinge gewesen ist. Einem japanischen Aberglauben zufolge.

Mir fiel ein Ausdruck auf Japanisch ein, den mein Bruder mir einmal beigebracht hatte: «kūki o yomu», was so viel bedeutete wie «die Luft lesen», also die Fähigkeit, das Nichtgesagte zwischen den Zeilen zu deuten. O schien das zu können.

Daniela Dröscher, Junge Frau mit Katze,
Kiepenheuer&Witsch, 2025

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