Kopieren kapieren – Autechre auf der Gitarre
In seinem wöchentlichen Newsletter «Kopieren kapieren» schreibt Dirk von Gehlen über das Kopieren, und zwar nicht als billige Reproduktion, sondern als kulturelle Technik. Für ihn ist das Kopieren ein Schlüssel zum Verständnis der digitalen Welt. Jede Ausgabe beleuchtet das Thema aus einer neuen Perspektive, und immer gehört auch eine musikalische Kopie dazu.
Nach dem unterhaltsamen Buch «Wie KI dein Leben besser macht», das er gemeinsam mit Franz Himpsl geschrieben hat, ist dieser Newsletter für mich eine gelungene und inspirierende Fortsetzung. Er lädt dazu ein, weiter über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nachzudenken.
Nach jeder Ausgabe beginne ich, meine eigenen Aneignungsstrategien zu hinterfragen. Wie habe ich mir Dinge angeeignet? Und welche musikalischen Coverversionen würde ich gern in einem solchen Newsletter lesen?
Aktuell beschäftigt mich in diesem Zusammenhang das kommende Album «Autechre Guitar» von Shane Parish. Die Idee allein fasziniert mich, elektronische Musik ins Akustische zu übersetzen. Die Stücke von Autechre, einem der prägendsten Duos der elektronischen Musik der letzten drei Jahrzehnte, entziehen sich normalerweise jeder eindeutigen Entschlüsselung; sie sind komplex, verschachtelt und eigenständig.

Dass Parish bereits 2004 begann, erste rudimentäre Transkriptionen dieser Songstrukturen zu notieren, zeigt, wie langfristig dieses Projekt gewachsen ist. Ihn interessierte vor allem die Frage, wie sich die scheinbar unendlichen Details von Autechre so destillieren lassen, dass sie mit nur zehn Fingern auf der Gitarre spielbar werden.
Philip Sherburne beschreibt treffend, das Projekt sei eine Einladung, tief in die Musik hineinzuhören und sich aktiv am Prozess der Übersetzung und Interpretation zu beteiligen.
Besonders beeindruckt haben mich Parishs Aussagen im DJ Mag. Er sprach davon, für die Transkription das Tempo gedrosselt, Strukturen freigelegt, neu interpretiert und sich auf das Wesentliche konzentriert zu haben. Genau darin liegt für mich die eigentliche Kraft des Kopierens: nicht das Nachmachen, sondern das Durchdringen.